Zustandsbericht über das FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) Aschau-Kronsort für 2020

Unser Mitglied und Naturschutzreferent für Aschau-Kronsort, Wolf-Rüdiger Stephan, stellt im Folgenden seinen Zustandsbericht über das FFH-Gebiet Aschau (östlich von Altenhof an der Eckernförder Bucht) für das vergangene Jahr 2020 vor:

 

 

Aschau-Kronsort 2020

 

Formloser Bericht

 

Bearbeiter: Wolf-Rüdiger Stephan/ NABU-Eckernförde

 

Pflanzenwelt 2020:

 

Die Pflanzenwelt von Aschau befand sich 2020 weiterhin auf Erfolgskurs! Ungemein früh blühten die ersten Wiesenschlüsselblumen bereits Ende Februar, gut geschützt unter dem Schlehengebüsch am Lagunenweg. Auch die Stängellose Schlüsselblume am Kliffhang überraschte mit intensiver Blüte an mehreren Stellen schon um den 22.3.20.  Die Küchenschelle in Südaschau folgte mit ersten Blüten Anfang April, allerdings anfangs noch mit niedrigen Stängeln. Am 12.5. zählte ich 12 Ex. dieser Pflanze nördlich vom früheren Auslauf der Aschau und 67 Ex. südlich davon. Die Küchenschelle profitierte ganz offenbar von der kurzen, aber sehr intensiven Beweidung mit Schafen im Herbst 2019, nach einer ersten Beweidung 2018.

 

Die große Überraschung war die Blüte des Breitblättrigen Knabenkrautes  am früheren Ausfluss der Aschau um den 23.5. mit ca. 40 Exemplaren. Damit war zwar noch nicht der frühere Höchststand an dieser Stelle mit knapp 100 Ex. erreicht, doch 2017, 2018 und 2019 war der Bestand jeweils auf fast 0 Ex. gesunken. Auch der Bestand der Gelben Wiesenraute am Schilfsaum ca. 50 m südlich des früheren Ausflusses der Aschau hat sich wieder etwas erholt: gut 40 Ex. blühten im Sommer, allerdings mehr als 2 Drittel waren sehr niedrige Pflanzen aufgrund der Trockenheit.

 

Meerkohl und Stranddistel überzeugten durch gute und gesunde Bestände: Für die Stranddistel, von  der die ersten Exemplare bereits in der 2. Hälfte April zu sehen waren, war es das bisher erfolgreichste Jahr!

 

Auf die reichhaltige weitere Pflanzenwelt kann hier nicht eingegangen werden. Die positiven Auswirkungen waren aber im Hebst deutlich zu sehen: ein Schwarm von ca. 50 Stieglitzen machte sich Ende August insbesondere über die Samenständer der Wiesenflockenblume und der Skabiosen-Flockenblume her.

 

Die sehr intensive Beweidung mit Schafen im Herbst 2019 hatte aber auch negative Folgen: Etliche Fahrradfahrer /Mountainbiker benutzten 2020 in Südaschau nicht mehr den ihnen ausgewiesenen Pfad im Dünental nahe dem Schilfsaum, sondern wählten neue Routen über die jetzt kurzrasige Düne, wodurch hier Vegetationsschäden entstanden, übrigens Routen, die heutzutage weiterhin von Fußgängern genutzt werden. Ein um den 12.8./ 13.8. verschwundenes Hinweisschild auf den Fahrradpfad wurde von mir schnellstmöglich ersetzt. Eine Beweidung der Düne von Südaschau im Zweijahresrhythmus scheint mir nach dieser Erfahrung ausreichend zu sein, auch wenn dann 1 Drittel der Fläche im 2. Jahr sehr hohen und  geschlossenen Bewuchs aufweist.

 

In Nordaschau ist die Ausbreitung des Roten Hartriegels auf der Düne weiterhin beunruhigend. Hier beginnt sich allerdings über unterirdische Ausläufer auch der Sanddorn durchzusetzen, der vor Jahren beim Rotkreuzgebäude angepflanzt wurde. Beim Sanddorn handelt es sich aber um eine Pflanze, die auch sonst punktuell auf Dünen und Kiesbänken vorkommt.

 

Die Arbeiten am Dünensteg in Nordaschau (mit Unterbrechungen von Januar bis Ende Juni 2020) hatten nur geringere negative Folgen für die Pflanzenwelt: Zerstörung eines Vorkommens der Strand-Grasnelke auf privatem Dünengelände durch schwere Fahrzeuge.

 

Vogelwelt 2020:

 

Die Entwicklung bei den Strand-, Dünen- und Wiesenbrütern in Aschau ist weiterhin extrem negativ. Der im Strandbereich unterspülte Gitterzaun der Bundeswehr lässt weiterhin auch größere Bodengreifer ins kleine Seevogelschutzgebiet beim Messhaus vordringen. Sogar vom

 

kräftigen Höckerschwan wurden wieder alle Gelege ausgeraubt. Bei Flachwasser finden auch Hunde um die inzwischen verkürzte Absperrung herum den Weg ins Schutzgebiet. Zu den bekannten Prädatoren aus der Luft ist 2020 wie bereits 2019 der Kolkrabe als Brutvogel hinzugekommen: Brutplatz am Aschauer Buchenkliff dicht neben Rabenkrähen. Entenbruten auf den Niederungswiesen darunter haben kaum noch eine Chance!

 

Zu einigen Brutvogelarten:

 

Zwergseeschwalbe: Nur 1 Paar unternahm einen vergeblichen Brutversuch Anfang Juni am Strand vor dem Messhaus (5.6.: Sturzflüge gegen räuberische Möwen). Dagegen hatte sich ab Ende Mai wie bereits 2019 eine Brutkolonie auf der Nordseite der Bucht am Strand von Ludwigsburg gebildet (mindestens 8 Brutpaare: siehe meinen Bericht vom 23.7.20 an die Naturschutzbehörden und die Bundeswehr). Doch alle Erstgelege und alle Nachgelege gingen auch hier verloren.

 

Sandregenpfeifer: Der Bestand an Sandregenpfeifern schwankte zwischen 2 und 3 Brutpaaren, selten gab es  4 Paare im Aschauer Raum. Dabei kam es im Schutzgebiet vor dem Messhaus wiederholt zu Revierkämpfen unter diesen Vögeln. Selbst hier wurde aber nach meinen Beobachtungen nur 1 Jungvogel flügge (erst im Juli). Fast durchgängig war außerhalb des Schutzgebietes der Platz am Strand vor der Nordzunge der Lagune von 1 Paar Sandregenpfeifer belegt, selten von 2 Paaren (u.a. Höhe nördliche Barke). Ein angefangenes Gelege dieser Vögel wurde hier um den 24.4. offenbar von Rabenkrähen ausgeraubt. Ein späteres Gelege ging hier durch das Hochwasser am 12.6. verloren. Dieses Gelege befand sich viel zu dicht am Wassersaum, außerdem lag es  sehr auffällig auf dunklem angespültem Material (Foto von einer Strandbesucherin liegt vor).           Dagegen konnte ich am breitesten Strandabschnitt von Aschau (etwa Höhe Rotkreuzruine/neuer Dünensteg) nur 1 vergeblichen Brutversuch feststellen.

 

Am Strand auf der Höhe dieses neuen Dünensteges wird es auch in Zukunft kaum noch erfolgreiche Bruten geben können: Zu groß ist hier inzwischen die Dauerstörung durch starken Personenverkehr geworden. Umso wichtiger wird der gerade genannte Strandabschnitt vor der Nordzunge der Lagune, zumal längerfristig hier nicht nur bei Flachwasser Abschnitte der Sandbänke als Inseln auftauchen werden. Leider war aber eben dieser Abschnitt 2020 immer wieder durch viele frei laufende Hunde gestört.

 

Austernfischer: 2 Brutpaare im Schutzgebiet beim Messhaus der Bundeswehr, davon war das Brutpaar auf einem der dortigen Container erfolgreich. Flügge wurde aber nur 1 Jungvogel.

 

Kiebitz: Kein einziger Brutansatz der Kiebitze mehr auf den Niederungswiesen seit 2017!!

 

Einige Gründe: Prädatorenproblematik, Trockenheit, es gibt aber auch meines Wissens in der näheren Umgebung keine Kiebitz-Brutpaare mehr, von woher Nachschub erfolgen könnte (nächstes Brutvorkommen einiger weniger Paare auf den Niederungswiesen des Schwansener Sees in ca. 17 km Entfernung Luftlinie! Trotzdem sollte man versuchen für Watvögel wie den Kiebitz mehr Wasser auf den Niederungswiesen von Nordaschau zu halten, das leider bei jedem Flachwasser in der Eckernförder Bucht aus dem Hauptstichgraben dieser Wiesen über ein kleines Klappsiel fast vollständig ausläuft (in den  dann ebenfalls recht leeren Ausfluss der Kronsbek).

 

Gänsesäger: 3 Jungvogelgrppen (Weibchen  mit 3, bzw. 2,  bzw. 1 Jungvogel in Aschau). 5 Jungvögel wurden flügge. Wenige Male tauchte eine Jagd- und Mausergruppe von Gänsesägern auf: 20.6.   15 Ex., 17.7. ca. 40 Ex., 30.7.   46 Ex.  .

 

Mittelsäger: Während Aschau noch in den 80er Jahren ca. 10% des schleswig-holsteinischen Brutbestandes dieser Vogelart aufwies mit vielen erfolgreichen Bruten, gab es nach meinen Beobachtungen 2020 wie bereits 2019 keine nicht flüggen Mittelsäger mehr hier. Zwar kam es 2020 noch zu einigen Brutansätzen unter dem Dünenbewuchs beim Messhaus und unter der Rosa rugosa des Behindertencampingplatzes, doch offenbar zu keinem Bruterfolg mehr. Neben der Prädatorenproblematik sind dafür Hunde ein Grund: Hunde gab es zur Zeit der Schwerkriegsversehrten auf diesem Campingplatz nicht!

 

Die Anzahl der Mittelsäger auf dem Ruhe- und Mauserplatz in der Südlagune betrug am 12.7.20  nur 1 Ex. unter 54 Schellenten, stieg aber in der fortschreitenden Mauserzeit am 31.7. auf 7 Ex., am 13.8. auf 9 Ex.  und am 30.8. auf 12 Ex., jetzt unter 80 Schellenten.

 

Brandgans: Ca. 3 Brutpaare wie in den meisten Jahren, aber alle erfolglos!

 

Graugans: Anfang Mai wanderten 4 Paare mit Jungvögeln zu, von denen mehr als 10 flügge wurden. Das „Aschauer“ Seeadlerpaar spielte in diesem Jahr als Prädator in der Brut- und Aufzuchtzeit  nur eine untergeordnete Rolle, da das Weibchen Anfang des Jahres an einer Windkraftanlage von Harzhof verunglückte, das neue Weibchen aber nicht mehr zur Brut schritt.

 

Die Ansammlung adulter und flügger Graugänse in Aschau stieg ab Juli wie in jedem Jahr schnell an: 1.7. ca. 150 Ex., 28.7. ca.500 Ex., 29.8.etwa 1000 Ex., 18.10. ca. 1500 Ex. (einschließlich Blässgänsen). Ab Ende September lagerten zahlreiche Gänse auch häufiger am Strand vor dem Behinderte-Campingplatz und bei Flachwasser auf den dortigen Inseln.

 

Schmetterlingswelt 2020:

 

Die Schmetterlingswelt war 2020 insgesamt wenig reichhaltig und blieb hinter dem Bestand mancher früheren Jahre deutlich zurück. Recht wenige Aurorafalter im Frühling! Erst am 31.7. fiel mir eine höhere Schmetterlingsrate in Aschau auf: etliche Bläulinge und Dickkopffalter, auch ein Großer Kohlweißling. Ab August waren einigermaßen regelmäßig Kleiner Feuerfalter und Kleiner Kohlweißling zu sehen. Höhepunkt im September waren 1 Kleiner Perlmutterfalter auf einem Trampelpfad in der Düne von Nordaschau (11.9.20) und am 29.9. gleich 16 Kleine Feuerfalter auf  der fiskalischen Vordüne von der Nordzunge der Aschauer Lagune: Die Feuerfalter saßen fast alle auf den Blüten von Tochterpflanzen des Jakobs-Kreuzkrautes, das  - von Raupen des Blutbären im Sommer abgefressen -  aus dem Wurzelstock häufig wieder ausgeschlagen war und erst jetzt neu blühte. Geht man von der Zahl der Pflanzen aus, die im Sommer von Raupen des Blutbären besetzt waren, muss dieser Schmetterling 2020 auch reichlicher vorgekommen sein. Eine systematische Suche nach Schmetterlingen führte ich nicht durch.

 

Arbeitsmaßnahmen 2020:

 

Ab Mitte Juli Ausriss mehrerer hundert Ex. des blühenden Jakobs-Kreuzkrautes auf fiskalischem Dünengelände und am privaten Lagunenweg, um ein Aussamen in die angrenzenden Wiesen zu verhindern. Dabei fiel auf, dass von mir unbekannter Seite her das Kreuzkraut auf der fiskalischen Vordüne der Nordzunge bereits weitgehend ausgerissen und entfernt war, wobei allerdings  - offenbar durch Verwechslung -   das Johanniskraut, eine Medizinpflanze, gleich mit beseitigt wurde.

 

Im ausgehenden Winter und wieder ab dem Spätsommer Ausstechen alter und neuer Pulks der Rosa rugosa auf fiskalischem Gelände (mehr als 100 Ex.).

 

Freihalten des Wiesenpfades für Radfahrer in Südaschau.

 

Vorschläge und Forderungen für 2021 ff:

 

1. Für einen besseren Bruterfolg ist eine intensivere Bejagung der Bodengreifer unbedingt erforderlich (u.a. mit Lebendfallen im kleinen Schutzgebiet am Messhaus). Die Spuren von Marderartigen konnte ich 2020 am Strand nach Regen wiederholt ab Höhe der Rotkreuzruine bis ins kleine Schutzgebiet am Messhaus verfolgen.

 

2. Eine „Reparatur“ des Gitterzaunes der Bundeswehr ist aus dem gleichen Grunde überfällig. Dieser Zaun war unter besonderer Berücksichtigung des geplanten Prädationsmanagements errichtet worden.

 

3. Auf dem nordöstlich an diesen Gitterzaun angrenzenden Abschnitt des Naturstrandes und der fiskalischen Vordüne ist die Beachtung des Hundeleinenzwanges dringend nötig: u.a. zum Schutz von Sandregenpfeifer und Mittelsäger. Im Grunde müsste auf diesem frei zugänglichen, aber besonders sensiblen Abschnitt ganzjährig Hundeverbot herrschen!!!

 

4. Am Nordostende des Aschauer Strandes, d.h. am Südende des Campingplatzes Lindhöft, sollte ein Hinweisschild auf das Surfverbot im Aschauer Raum aufmerksam machen.

 

5. Der drastische Küstenrückgang in Südaschau und vor Teilen des Schnellmarker Kliffs verlangt bei Baggerarbeiten in die Lagune ein Vorspülen des dann anfallenden Baggergutes vor die Küste von  Südaschau statt des deutlich billigeren Abtransportes des Baggergutes: Es handelt sich bei den Baggerarbeiten um einen Eingriff in die natürliche Haupt-Sandwanderung (hier von NO nach SW) in einem FFH-Gebiet! Behörden, die wie bisher den preiswerteren Abtransport genehmigen, handeln meiner Meinung nach verantwortungslos!!!

 

6.  Längerfristig: Optimierung des Wassermanagements auf den nordöstlichen Niederungswiesen.

 

Berichterstatter:

W.-R. Stephan (NABU)

Eckernförde, 24.11.2020

 

Im Folgenden ist eine Skizze des Schutzgebietes dargestellt: